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Prinzipienorientierte Ansätze in der - [English]


Duration:

Jan 2005 - Jan 2008

Funding body:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Contact:

Dr. phil. Oliver Rauprich, Dipl. Biol.

Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin

Ruhr-Universität Bochum

Malakowturm

Markstr. 258a,

44799 Bochum

Germany

Phone: +49-234-32-28656 Fax: +49-234-32-14205

E-Mail: Oliver.Rauprich@ruhr-uni-bochum.de URL: http://www.ruhr-uni-bochum.de/malakow/index.htm

Head:

Dr. phil. Oliver Rauprich, Dipl. Biol.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Jochen Vollmann

Member:

Dr. phil. des. John-Steward Gordon

Short Description:

Die Prinzipienethik, wie sie am weitaus prominentesten von Tom L. Beauchamp und
James F. Childress in ihren Principles of Biomedical Ethics (1979, 52001) repräsentiert
wird, hat sich weltweit im Bereich der Bio- und Medizinethik zum Standardmodell
entwickelt. In diesem Modell bilden die vier Prinzipien des Nicht-Schadens, der
Wohltätigkeit, der Respektierung der Selbstbestimmung von Personen und der
Gerechtigkeit den konzeptionellen Rahmen für die Behandlung von medizinethischen
Problemen. Es handelt sich um „mittlere“ Prinzipien, die bezüglich ihrer Reichweite und
Begründungstiefe zwischen umfassenden Theorien und Einzelfallurteilen stehen. Um auf
konkrete Themen und Fälle angewendet werden zu können, bedürfen sie einer
Spezifikation in verschiedene Unterprinzipien, Varianten und Regeln. Prima facie gelten
alle vier Prinzipien und ihre Spezifikationen gleichermaßen, sie können jedoch in der
Anwendung miteinander in Konflikt geraten. Medizin- und bioethische Probleme werden
in der Prinzipienethik generell als Normenkonflikte charakterisiert. Zur Lösung solcher
Konflikte können entweder die konfligierenden Prinzipien weiter spezifiziert und somit
besser gegeneinander abgegrenzt werden. Oder es muss eine situationsspezifische
Abwägung erfolgen.
Im angelsächsischen Bereich hat in den letzten Jahren eine kontinuierliche Debatte über
die Prinzipienethik stattgefunden, welche zu einer mehrfachen Weiterentwicklung der
Konzeption geführt hat. Hierzulande wurde in der Bio- und Medizinethik zwar vielfach
auf Prinzipien mittlerer Ebene rekurriert, diese Vorgehensweise jedoch methodisch und
metaethisch bislang kaum reflektiert.
In dem Projekt sollen aufbauend auf Vorarbeiten der Antragsteller Tragweite und
Grenzen des prinzipienethischen Ansatzes erforscht werden. Es ist in vier Phasen
gegliedert. Zunächst wird die bisherige internationale Debatte analysiert, soweit dies in
systematischer Hinsicht relevant ist. Es werden die Vorläufer und Ursprünge des
prinzipienethischen Ansatzes herausgearbeitet, die Argumente der Kritiker analysiert, die
Reaktionen von Beauchamp und Childress sowie weiteren Vertretern der Prinzipienethik
rekonstruiert und der aktuelle Stand der Konzeption und Debatte dargelegt. In der
zweiten Projektphase werden zentrale Problembereiche erforscht, insbesondere die
Begründungs- und Anwendungsproblematik. In jüngeren Auflagen begründen
Beauchamp und Childress die Geltung der vier Prinzipien sowohl mit Common sense als
auch mit Kohärenz. Die Plausibilität dieses kombinierten Begründungsmodells ist bislang
noch nicht analysiert worden. Zudem ist das Anwendungs- und Problemlösungspotential
der Prinzipienethik bislang noch nicht systematisch untersucht worden. Dies soll in einem
Praxistest anhand von Vignetten und realen Fällen geleistet werden. Ergänzend werden
die Instrumente der Spezifikation und Abwägung einer konzeptionellen Analyse
unterzogen, um ihre Funktions- und Leistungsfähigkeit zu prüfen sowie mögliche
Alternativen und Ergänzungen herauszuarbeiten.
In der dritten Phase sollen die vorläufig erarbeiteten Ergebnisse des Projektes im Rahmen
eines Forschungsaufenthalts am Kennedy Institute in Washington führenden Vertretern
und Kritikern der Prinzipienethik präsentiert und mit ihnen diskutiert und
weiterentwickelt werden. Die Antragsteller haben die Möglichkeit einer solchen
Kooperation mit Prof. Beauchamp abgesprochen. Aufgrund der bislang im
deutschsprachigen Raum wenig entwickelten Erforschung des prinzipienethischen
Ansatzes erscheint eine solche internationale Vernetzung des Projektes unbedingt ratsam.
In der vierten Projektphase werden die Ergebnisse des Forschungsaufenthaltes
nachbereitet und abschließend eigene Konzeptionen und Lösungsvorschläge
ausgearbeitet.
Mit dem Projekt wird das Ziel verfolgt, eine kritische Würdigung des prinzipienethischen
Ansatzes und damit einen Beitrag zur philosophischen Fundierung der Bio- und
Medizinethik zu leisten. Die Forschungsergebnisse sollen zur internationalen Debatte
über die Prinzipienethik beitragen und hierzulande eine solche Debatte anstoßen.

Keywords

medical ethics

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