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Ethische Analyse und Beurteilung der Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten - [English]


Duration:

Jan 2002 - Dec 2004

Funding body:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Contact:

Institut für Wissenschaft und Ethik (IWE)

Bonner Talweg 57

53113 Bonn

Germany

Phone: +49-(0)228-3364-1920 Fax: +49-(0)228-3364-1950

E-Mail: iwe@iwe.uni-bonn.de URL: http://www.iwe.uni-bonn.de/deutsch/index_mo14.html

Head:

Honnefelder, Ludger (Prof. Dr. Dr.)

Heinemann, Thomas (Dr.)

Fuchs, Michael (Dr.)

Hübner, Dietmar (Dr.)

Member:

Heinemann, Thomas (Dr.)

Heinrichs, Bert (M.A.)

Short Description:

Das Projekt stellt ein Teilprojekt im Rahmen der Klinischen Forschergruppe «Stammzelltransplantation - Molekulare Therapieansätze in der Pädiatrie» dar, der fünf naturwissenschaftlich-medizinische Arbeitsgruppen an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und an der Universität Freiburg sowie eine Arbeitsgruppe am Institut für Wissenschaft und Ethik in Bonn angehören.

Die Klinische Forschergruppe widmet sich der Grundlagenforschung im Zusammenhang mit der Transplantation humaner Stammzellen und hat die Erarbeitung der Voraussetzungen für eine klinische Anwendung bei umschriebenen Krankheitsbildern im Bereich der Pädiatrie zum Ziel. Neben der naturwissenschaftlich-medizinischen Entwicklung und Erprobung solcher Verfahren ist ein zentraler Bestandteil die ethische Analyse der fortschreitenden Forschungskonzeptionen und -handlungen, indem diese im engen Austausch mit den beteiligten Naturwissenschaftlern und Ärzten ihrer Struktur nach erfasst und ihrer Wertigkeit nach beurteilt werden.

Das ethische Teilprojekt trägt der Tatsache Rechnung, dass mit den angestrebten Forschungsvorhaben der naturwissenschaftlich-medizinischen Teilprojekte Problemfelder berührt werden, die aus zwei Gründen eine unmittelbare ethische Bearbeitung sinnvoll erscheinen lassen: Erstens ist davon auszugehen, dass für eine ethische Beurteilung insbesondere neuartiger Forschungsvorhaben eine rein deduktive Herangehensweise oft ungenügend ist und stattdessen auch induktive Momente in die Beurteilung einfließen müssen, d.h. dass die angemessenen moralischen Handlungsgrundsätze nicht allein aus unabhängigen Prinzipien abgeleitet werden können, sondern zumindest teilweise aus den konkreten Handlungszusammenhängen heraus erhoben werden müssen. Zweitens werden einige dieser Problemfelder erst mit dem Fortschreiten der naturwissenschaftlich-medizinischen Arbeit überhaupt als solche identifiziert werden können, was ebenfalls eine zeitgleiche ethische Analyse der Forschungsvorhaben angezeigt erscheinen lässt. Die Aufgabe des ethischen Teilprojekts ist dabei ausdrücklich unterschieden von der Prüfung der angestrebten Forschungsvorhaben durch die zuständigen Ethikkommissionen: Ziel ist nicht, über die Zulässigkeit der Vorhaben zu entscheiden, sondern die ethische Selbstreflexion der beteiligten Forscher durch ein professionelles philosophisch-analytisches Instrumentarium zu unterstützen und methodisch zu leiten .

Von besonderem philosophischem Interesse ist dabei das breite Handlungsspektrum der naturwissenschaftlich-medizinischen Projektteile . Die Forschergruppe bietet mit ihren eng verflochtenen Handlungsbereichen die besondere Möglichkeit, ein biomedizinisches Tätigkeitsfeld von der Forschung bis zur Anwendung in seinem Gesamtzusammenhang wahrzunehmen und zu analysieren. Auf diese Weise werden Handlungsbezüge der Betrachtung zugänglich, die für gewöhnlich nur durch nachträgliche Verbindung von ausdifferenzierten gesellschaftlichen Teilsystemen weitgehend autonomer Art (akademische Forschung, Verfahrens-Entwicklung, klinische Anwendung) rekonstruierbar sind. Die ethischen Konzepte, die in der Folge solcher synthetischer Betrachtungsversuche zur Anwendung kommen, entbehren oft des Rückhalts in der konkreten Handlungserfahrung. Demgegenüber ergibt sich für die philosophische Begleitung der Klinischen Forschergruppe die außergewöhnliche Möglichkeit, spezifische Handlungstypen in ihrem tatsächlichen Zusammenwirken der ethischen Reflexion und Beurteilung zugänglich zu machen.

Im Hinblick auf die geplanten Forschungsvorhaben lassen sich fünf kategoriale ethische Problemfelder identifizieren, die im Verlauf der Projektes besondere Beachtung verdienen und auf die jeweiligen Forschungs- und Therapievorhaben hin zu spezifizieren sind:

(1) Mit Blick auf die angestrebte Forschung an Menschen stellen sich Fragen nach der Information und der Einwilligung von Patienten bzw. Probanden, einschließlich der speziellen Probleme des Umgangs mit Einwilligungsunfähigen und der Einbeziehung ihrer gesetzlichen Vertreter, wie er gerade in der Pädiatrie im Gespräch mit den Patienten und ihren Eltern begegnet.

(2) Auch in den Bereichen der Grundlagenforschung ohne unmittelbare Forschung an Menschen werden Fragen nach der Information und der Einwilligung in Bezug auf die Verwendung menschlichen biologischen Materials aufgeworfen.

(3) Weiterhin sind mit der Transplantation von Geweben stets Fragen nach dem Verhältnis von Identität und Leiblichkeit sowie nach möglichen Konsequenzen für das Selbstverständnis des Empfängers verbunden.

(4) Mit Blick auf die angestrebte Verwendung von Stammzellen werden naturwissenschaftliche, naturphilosophische und ethische Fragen nach dem Entwicklungspotential und dem Status dieser Stammzellen relevant.

(5) Schließlich ist davon auszugehen, dass anwendungsbezogene Forschung sich in der Bestimmung ihrer Ziele und Mittel einer Abwägung zu stellen hat, bei der die anstehenden Forschungsaufwendungen im Vergleich mit etablierten Therapien und Verfahrensweisen bzw. mit alternativen Therapien und Vorgehensweisen gerechtfertigt werden müssen.

Ein besonderes Anliegen des ethischen Teilprojekts ist es, die Ergebnisse der in diesen und weiteren sich ergebenden Feldern durchzuführenden Analysen methodisch so zu verdichten, dass sie als Grundlage für ein forschungsethisches Curriculum dienen können, das geeignet ist, angehende Wissenschaftler sowohl in grundsätzliche Fragen der Forschungsethik als auch in spezielle Fragen der in der Klinischen Forschergruppe angestrebten Forschungsvorhaben einzuführen. Das Projekt will damit in enger Zusammenarbeit mit den naturwissenschaftlich-medizinischen Forschern einen Beitrag zu einer derzeit noch ausstehenden Integrierung ethischer Lehreinheiten in die Ausbildung von Naturwissenschaftlern und Medizinern leisten.

Keywords

embryonic stem cells – ethics of science – human experimentation – medical ethics

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