> Bekis > Projects > View project

Projects

Gentechnische Anwendungen im nichthumanen Bereich - [English]


Duration:

Jun 1993 - Jun 1997

Funding body:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Contact:

Institut für Wissenschaft und Ethik (IWE)

Bonner Talweg 57

53113 Bonn

Germany

Phone: +49-(0)228-3364-1920 Fax: +49-(0)228-3364-1950

E-Mail: iwe@iwe.uni-bonn.de URL: http://www.iwe.uni-bonn.de/deutsch/index_mo14.html

Head:

Gethmann, Carl Friedrich (Prof. Dr. Dr.)

Member:

Klapperich, Anette

Pühler, Alfred (Prof. Dr.)

Saedler, Heinz (Prof. Dr.)

Short Description:

Die Zulässigkeit von gentechnischen Interventionen an nichtmenschlichen Lebensformen wird kontrovers diskutiert und je nach Art des Organismus unterschiedlich bewertet.

Einen Parameter dieser Bewertung bildet die morphologische Nähe bzw. der Abstand des betreffenden Lebewesens zum Menschen: Bakterien in ihrer DNA zu verändern, wird als weniger rechtfertigungsbedürftig angesehen als beispielsweise ein Eingriff in das Erbgut von Säugetieren. Bei Pflanzen indes wird weniger um die «Unverfälschtheit ihrer genetischen Information» gestritten als vielmehr über die Folgen des gentechnischen Eingriffs für Umwelt, «Natur» und Mensch.

Die Diskussion um die Zulässigkeit der Gentechnik gliedert sich jedoch nicht nur mit Blick auf die verschiedenartigen Substrate (Mikroorganismus, Pflanze, Tier) und die unterschiedlichen Problemfelder (Zumutbarkeitsfragen für Mensch, «Natur», betroffenen Organismus), sondern es finden auch mehrere, zum Teil konkurrierende Ansätze der moralphilosophischen Beurteilung Anwendung.

Die Projektarbeit geht nun von der Annahme aus, dass sich die divergierenden ethischen Ansätze - wie auch die Positionen der Gentechnikdiskussion - unter bestimmte Argumentationsmuster fassen lassen. Dabei handelt es sich zum Teil um typische Beispiele für die Risikodebatte, wie sie im Zusammenhang mit der Zulässigkeit von Großtechniken auftreten (1). Andere Typen dagegen stellen für die Gentechnik spezifische Argumente dar und sind auch (teilweise) unabhängig von Analogien zu anderen technikinduzierten Fragen zu diskutieren (2).

(1) Gegen gentechnische Anwendungen werden immer wieder Einwände erhoben, die auf die Irreversibilität und Nichtkontrollierbarkeit der Auswirkungen gentechnischer Eingriffe hinweisen. Derartige Fragen werden im Rahmen der Technikdebatte spätestens seit der Inbetriebnahme von Kernkraftwerken kontrovers diskutiert. Den Hauptstrategien («Im Zweifel für das Nichtstun», so der Sekurist, bzw. «Wissen ist nur durch Machen zu erhalten», wie der Technikbefürworter nahelegen mag) liegen bestimmte Prämissen zugrunde, die im Rahmen des Projektes geprüft werden.

(2) Die für die Gentechnik-Debatte spezifischen Argumente lassen sich beispielsweise unter Missbrauchsargumente, Dammbruchargumente und andere, materiale Einwände (z.B. Verlust von Arten, Störung des ökologischen Gleichgewichts) subsumieren. Kennzeichnend für die Debatte ist darüber hinaus, dass häufig sowohl in affirmativem Sinn als auch in kritisch distanzierter Form an der «Natur» (Evolution, Ökologisches Gleichgewicht) als Größe festgehalten wird, der man zu folgen habe oder über die man hinauszugehen bereit sein soll. Die in diesen Äußerungen zum Ausdruck gebrachten normativen Orientierungen an einer wie immer gearteten «Natur» bedürfen einer genaueren Untersuchung. Dabei wird vorausgesetzt, dass es zwar unumgänglich ist, der «Natur der Sache» (hier: den Vorgaben des Genoms) zu folgen, Entscheidungsgrundlagen jedoch in Abstimmung mit anthropogenen Festsetzungen gefunden werden müssen.

Ein Ziel des Projekts besteht darin, einerseits Argumentationsformen herauszuarbeiten, mit denen konsistent über einen gerechtfertigten Umgang mit Natur befunden werden kann. Andererseits werden solche Argumente als lückenhaft oder nicht triftig gekennzeichnet (und ggfs. korrigiert), deren Geltungsanspruch einer rationalen (z.B. zur Verallgemeinerung tauglichen) Prüfung nicht standhält.

Ergebnisse dieser Untersuchungsform sind nicht konkrete Handlungsanleitungen, sondern (hypothetisch geltende) Regeln, die Empfehlungen formulieren, etwa «Wenn du für/gegen eine Option votieren willst, wähle/führe auf...».

Keywords

biotechnology – genetic research / engineering – philosophy of nature – release experiments – technology assessment

© DRZE, 2005-2012 | Imprint | webmaster@drze.de