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Klonierung beim Menschen. - [English]


Duration:

Jan 1999 - Jan 2003

Funding body:

DFG Förderinitiative Bioethik

Contact:

Institut für Wissenschaft und Ethik (IWE)

Bonner Talweg 57

53113 Bonn

Germany

Phone: +49-(0)228-3364-19 20 Fax: +49-(0)228-3364-19 50

E-Mail: iwe@iwe.uni-bonn.de URL: http://www.iwe.uni-bonn.de

Head:

Denker, Hans-Werner (Prof. Dr. Dr.)

Günther, Hans-Ludwig (Prof. Dr.)

Honnefelder, Ludger (Prof. Dr. Dr.)

Siep, Ludwig (Prof. Dr.)

Member:

Beckmann, Jan P. (Prof. Dr.)

Beier, Henning (Prof. Dr. Dr.)

Bülow, Detlev von (MinDgt. a.D.)

Fuchs, Michael (Dr.)

Honecker, Martin (Prof. Dr.)

Lanzerath, Dirk (Dr.)

Advena-Regnery, Barbara (M.A.)

Heinemann, Thomas (Dr.)

Schütze, Hinner (Rechtsassessor)

Short Description:

Der Begriff der Klonierung bezeichnet Techniken, die die genetisch identische Vermehrung von Zellen oder von ganzen Organismen zum Ziel haben. Klonierungstechniken wie embryo splitting oder die Generierung embryonaler Stammzellen (ES-Zellen) werden bereits seit Jahren in Forschung und Tierzucht angewandt. Erhebliche ethische Brisanz gewinnen diese Techniken bei einer Anwendung im Humanbereich, wie dies erstmals mit der Ende 1998 veröffentlichten Gewinnung menschlicher ES-Zellen und ihrer Vermehrung im Reagenzgefäß realisiert wurde. Zudem ruft auch die nahe gerückte Möglichkeit einer beliebigen Vermehrung genetisch identischer menschlicher Embryonen im Labor unterschiedliche Reaktionen hervor, die je nach Bewertung und Abwägung der durch diese Techniken erreichbaren Ziele und der zum Erreichen dieser Ziele verwendeten Mittel von enthusiastischer Befürwortung bis zu tiefster Besorgnis reichen. Insbesondere werden die ethischen Fragen unterschiedlich beantwortet, inwieweit die Ziele und Zwecke , für die diese Techniken eingesetzt werden sollen, als legitim zu betrachten sind und inwieweit die als Mittel zum Erreichen dieser Ziele einzusetzenden Techniken hinsichtlich ihrer Folgen und Nebenfolgen als vertretbar zu beurteilen sind. In diesem Zusammenhang drängt sich auch die Frage nach dem ethischen und rechtlichen Status auf, der den klonierten und zu klonierenden Zellen und Organismen zukommt, insofern sich auf diesen Status möglicherweise Schutzansprüche gründen lassen.

Mögliche Ziele von Klonierungstechniken im Humanbereich werden in der gegenwärtigen Diskussion unterschieden in reproduktives und therapeutisches Klonieren. Reproduktives Klonieren hat die Erzeugung eines geborenen Menschen zum Ziel. Therapeutisches Klonieren richtet sich hingegen auf die humantherapeutisch ausgerichtete Forschung mit Hilfe von Klonierungstechniken; dies kann die grundlagenwissenschaftliche Erforschung und künstliche Beeinflussung von Zelldifferenzierungsmechanismen, die Entwicklung von Verfahren zur Zell-Transplantation und zur künstlichen Erzeugung komplexer Organe zu Transplantationszwecken, darüber hinaus ein mögliches gezieltes therapeutisches Eingreifen in eine gestörte menschliche Embryonalentwicklung sowie nicht zuletzt die Untersuchung pharmazeutischer und toxischer Einflüsse auf die Embryonalentwicklung umfassen.

Die für therapeutische Zielsetzungen einzusetzenden Mittel bestehen derzeit insbesondere in der Generierung bzw. Verwendung von menschlichen ES-Zelllinien, deren Gewinnung sich auf zwei Verfahren beschränkt: die Kultivierung von durch in-vitro -Fertilisation gewonnenen totipotenten Embryonalzellen aus der menschlichen Blastozyste sowie die Kultivierung von primordialen Keimzellen früh abgegangener oder abgetriebener menschlicher Föten. Ein drittes, wahrscheinlich auch im Humanbereich anwendbares Verfahren stellt die Erzeugung individualspezifischer embryonaler Stammzellen nach somatischem Zellkerntransfer in enukleierte Eizellen dar; letzteres Verfahren wurde bei verschiedenen Tierspezies (so z.B. bei dem Schaf Dolly ) bereits erfolgreich praktiziert.

Grundsätzlich besteht auf internationaler Ebene derzeit ein Konsens, die Zielsetzung des reproduktiven Klonierens im Hinblick auf die Schutzansprüche des aus der Klonierung entstehenden Menschen als illegitim zu betrachten und ein Verbot oder zumindest ein Moratorium hinsichtlich des reproduktiven Klonierens zu beachten. Das Ziel des therapeutischen Klonierens hingegen kann im Hinblick auf die Dignität der verfolgten humantherapeutischen Zielsetzung unter der Voraussetzung einer ausschließlichen Ausrichtung der Forschung auf dieses Ziel grundsätzlich als legitim betrachtet werden. In diesem Falle entstehen der generelle Dissens und die ethische Problematik weniger hinsichtlich der Legitimität der Ziele, als vielmehr hinsichtlich der Vertretbarkeit der Mittel. Mit der Frage nach den bei den verschiedenen Klonierungstechniken einzusetzenden Mitteln kommt u.a. die Schutzwürdigkeit, und damit der ethische und rechtliche Status der zur Klonierung verwendeten und der in Kultur expandierten menschlichen Zellen in den Blick.

Wichtige Argumente in der Diskussion um den diesen Zellen zukommenden Status beziehen sich auf ihr jeweiliges biologisches Differenzierungs- und Entwicklungspotential, das derzeit in Ermangelung sicherer biologischer Differenzierungsmarker oftmals nur in Annäherung festgelegt und mittels Wahrscheinlichkeitsaussagen ausgedrückt werden kann. Diese Zusammenhänge verdeutlichen die Schwierigkeit bei der Festlegung des jeweiligen Status. Zugleich ist seine zentrale Rolle in der gegenwärtigen Diskussion und in der ethischen Entscheidungsfindung evident. So lassen sich gerade anhand der Frage nach dem jeweiligen Status der zur Klonierung verwendeten Zellen die verschiedenen anwendbaren Techniken bei der Klonierung menschlicher Embryonalzellen ethisch unterschiedlich beurteilen: So hat im Gegensatz zur Verwendung von Embryoblasten aus «überzähligen» Embryonen die in-vitro -Klonierung primordialer Keimzellen aus toten Föten nicht die Zerstörung des Embryos und den Ge- und Verbrauch von totipotenten Embryonalzellen zur Folge.

Ziel dieses Projekts ist es, die hier umrisshaft aufgezeigten Bezüge zwischen den möglichen Zielsetzungen des Klonierens im Humanbereich und den für die Erreichung dieser Ziele notwendigen bzw. möglichen Mitteln, das Verhältnis von Zweckargumenten und Statusargumenten sowie die Rolle des biologischen Differenzierungspotentials im Hinblick auf die Statusdiskussion zu untersuchen. Vor diesem Hintergrund sollen die im internationalen Vergleich zur ethischen und rechtlichen Bewertung des Klonierens beim Menschen herangezogenen Entscheidungskriterien identifiziert und analysiert und Ansätze zu einer übergreifenden ethischen Urteilsbildung entwickelt werden.

Keywords

cloning – embryo research – embryonic stem cells – medical ethics – reproduction medicine

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