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Mediale Diskurse über - [English]


Duration:

Aug 2002 - Aug 2005

Funding body:

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Contact:

Schäfer, Mike Steffen

Universität Leipzig

Institut für Kulturwissenschaften

Geisteswissenschaftliches Zentrum

Beethovenstrasse 15

04107 Leipzig

Germany

Phone: +49-(0)341 9735689 Fax: +49-(0)341 9735698

E-Mail: mss@uni-leipzig.de

Head:

Gerhards, Jürgen (Prof. Dr.)

Member:

Schäfer, Mike Steffen (M.A.)

Short Description:

In den vergangenen Jahren sind biotechnologische und v.a. humanbiotechnologische Forschungszweige verstärkt Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzungen in vielen, vor allem westlich-industrialisierten Gesellschaften geworden. In ihrer Gesamtheit zeigen diese Debatten die Ambivalenz biotechnologischer Forschungen und Technologien ebenso wie die Unsicherheit der Öffentlichkeit und die Unmöglichkeit, einfache Lösungen zu finden. Diese Diskussionslage ist symptomatisch für Wissenschaft in modernen Gesellschaften: Einerseits ist ihre Bedeutung anerkannt und wird von wachsender wissenschaftlicher Produktion und zunehmendem Wissen untermauert. Andererseits ist ihre Rolle als gültigste Form der Wissensgewinnung nicht mehr unumstritten. Heute bestimmen gesellschaftlich resp. politisch ausgehandelte Rechte und Normen die Chancen wissenschaftlicher Forschung und Anwendung wesentlich mit. Der Rechtsetzung durch Legislative und Judikative sind öffentliche Diskurse vorgelagert, in denen sich unterschiedliche Akteure darum bemühen, zu Wort zu kommen und ihre Positionen zu argumentieren. Akteure & v.a. kollektive Akteure wie politische Parteien, Interessengruppen, Unternehmungen, Wirtschaftsverbände, Wissenschaftsorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppierungen & beteiligen sich am Diskurs, weil sie andere von ihren Themen und Meinungen überzeugen wollen. Sie versuchen, in den öffentlichen Diskursen zu Wort zu kommen, ihre Positionen und Deutungsmuster öffentlich zu platzieren, und so die Bildung ihnen nahestehender öffentlicher Mehrheitsmeinungen und hegemonialer Deutungen von Themen zu begünstigen. Diese Prozesse öffentlicher Meinungsbildung sind insofern von Relevanz, als sie Einfluss auf die Rechtssetzung und somit auch auf die Möglichkeiten und Grenzen der Humangenomforschung haben. Denn die öffentlichen Diskurse zeichnen die Korridore dessen vor, was als normativ verbindlich in einer Gesellschaft gilt und rechtlich kodifiziert werden kann.

Wir machen einen grundlegenden Teil der Biotechnologie-Debatte in zweien der wohl wichtigsten westlichen Gesellschaften zum Gegenstand. Mit der Debatte über Humangenomforschung wird die wohl umfassendste biotechnologische Auseinandersetzung der vergangenen Jahre im Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Medienanalyse stehen. Analysiert wird der Zeitraum, in dem die Humangenomforschung am intensivsten diskutiert wurde; von der Phase des 'Rennens' um die Sequenzierung des Humangenoms zwischen dem Human Genome Project und der Celera Genomics Corporation ab 1999 über die Präsentation des Genoms im Juni 2000 bis hin zur Veröffentlichung der Genomsequenz und deren diskursiver Nachbereitung 2001.

Ziel des Projektes ist es, den öffentlichen Diskurs über Humangenomforschung in Deutschland und den USA zu rekonstruieren und die Diskurscharakteristika beider Länder vergleichend zu erklären. Dabei unterscheiden wir zwei Analysedimensionen: a) Wir erfassen, in welchem Ausmaß es Akteuren gelingt, in der öffentlichen Debatte zu Wort zu kommen und zitiert zu werden ('Standing') & ein Indikator für die öffentliche Akzeptanz eines Sprechers, ist doch bei einer Betrachtung der Selektivitäten medialer Berichterstattung das Erreichen von 'Standing' alles andere als selbstverständlich. b) Bei Akteuren, die sich in der öffentlichen Debatte durchzusetzen und ein 'Standing' erreichen, ist von Interesse, womit sie zu Wort kommen, zur Kommunikation welcher Inhalte sie ihr 'Standing' nutzen. Daher konzentrieren wir uns auch auf die Messung der Kommunikationsinhalte, d.h. des 'Framings' des Diskurses: der Deutungsmuster, die Akteure zur Interpretation des Humangenomthemas benutzen.

Antworten auf diese Fragen wollen wir durch eine systematische Inhaltsanalyse von jeweils zwei Tageszeitungen pro Land gewinnen: der 'Süddeutschen Zeitung', der 'Frankfurter Allgemeinen', der 'New York Times' und der 'Washington Post'. Für einen Zeitraum von drei Jahren werden alle Artikel zum Thema Humangenomforschung erhoben und inhaltsanalytisch kodiert. Zentrale Analysekategorien bestehen den Forschungsfragen entsprechend in der Klassifizierung der Sprecher in den Medien und in der Klassifizierung der von ihnen benutzten Deutungsmuster zur Interpretation der Humangenomforschung. Relevante Kategorien zur Erfassung der Deutungsmuster werden zuvor in einem induktiven Analyseschritt gewonnen. Zusätzlich zur Inhaltsanalyse werden wir Interviews führen. Dabei soll mit Repräsentanten ausgewählter kollektiver Akteure, deren diskursive Relevanz sich in der Inhaltsanalyse gezeigt hat, eine Leitfadenbefragung durchgeführt werden, um Informationen über ihre Strategien der Medienbeeinflussung und ihre Ressourcenausstattungen zu erlangen.

Keywords

biotechnology – genetic research / engineering – genome analysis – human genetics – theory of science

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